Die Beweglichkeit

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In Zeiten, in denen unser Immunsystem sehr intensiv gefordert ist und alles dafür getan werden sollte dieses zu unterstützen, lohnt es sich auch mal einen Blick auf andere indirekt beeinflussende Parameter zu werfen. Da unser Immunsystem nicht nur Abwehrsystem ist, sondern auch in anderen Bereichen (Wundheilung, Stressregulation, usw.) in unserem Körper eine entscheidende Rolle einnimmt bzw. durch diese auch beeinflusst wird, gilt es unnötige Stressoren schlichtweg zu vermeiden oder eben Positives dazu beisteuern. In weiterer Folge kann unser übergeordnetes Immunsystem und vegetatives Nervensystem dadurch entlastet und unterstützt werden.

 

Eine wichtige Komponente beim Thema „Gesund sein“ und sich schmerzfrei wohl zu fühlen, ist das Thema Beweglichkeit. Sind wir beweglicher und damit einhergehend vielleicht auch entspannter (leichteres geschmeidigeres gleiten unserer Fascien und Bindegewebestrukturen) kann beispielsweise auch unser Lymphsystem einfacher arbeiten und somit Abfallstoffe, Viren und Bakterien effektiver abtransportieren.

 

Die Beweglichkeit gehört wie Ausdauer, Kraft, Koordination und Schnelligkeit zu den konditionellen Fähigkeiten. Es wird zwischen Flexibilität und Mobilität unterschieden. Unter Flexibilität versteht man die Fähigkeit passiv ein gewünschtes Bewegungsausmaß zu erreichen (passive Beweglichkeit). Mobilität ist die Fähigkeit sich aktiv und frei zu bewegen (aktive Beweglichkeit). Die passive Beweglichkeit ist immer größer als die aktive Beweglichkeit. Beweglichkeit ist eine elementare Voraussetzung um Bewegungen qualitativ und quantitativ durchzuführen. Je größer die Beweglichkeit und je besser sie kontrolliert werden kann, umso kräftiger, schneller, leichter, fließender und ökonomischer können Übungen durchgeführt werden. Dabei muss unser Ziel sein, aktive und passive Beweglichkeit so nah wie möglich einander anzunähern.

 

Zusätzlich hat jede Sportart verschiedene Beweglichkeitsansprüche. Rhythmische Sportgymnastik hat natürlich ein anderes Beweglichkeits-Anforderungsprofil als Eishockey. Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass eine gute Beweglichkeit (aktiv und passiv) eine gute Voraussetzung für den Sport und das Leben ist. Wenn ein Marathonläufer seine Laufbewegung geschmeidiger durchführen kann, muss er weniger Energie aufwenden und dadurch setzt eine Ermüdung später ein. Im alltäglichen Leben fallen jedem wahrscheinlich spontan 10 Dinge ein, die einfacher zu bewältigen sind, wenn man sich gut bewegen kann.

 

Wir lernen durch Afferenzen. Unter Afferenzen versteht man die Informationen, die von außen aufgenommen werden (über Augen Ohren, Geschmack, Tastsinn) und im Hirn weiterverarbeitet werden. Durch ständiges Durchbewegen der Gelenke und regelmäßiges Stretching werden Gelenkskapseln (wie steht mein Gelenk im Raum), Muskelspindeln (erfassen Dehnungszustand der Skelettmuskulatur) und Golgi-Sehnenapparate (Messung und Regelung der Muskelspannung) stimuliert, was uns viel Afferenz aus den genannten Strukturen liefert. Je besser und klarer die afferenten Informationen aus der Peripherie sind, umso besser kann das Gehirn diese verarbeiten und umso besser wird dann die daraus resultierende muskuläre Antwort sein. Somit wirkt sich eine gute Beweglichkeit positiv auf das motorische Lernen aus.

 

In den verschiedenen Sportarten werden oft extreme Gelenkpositionen eingenommen. Wenn der Sportler in diesen Positionen trainiert hat und je größer der jeweilige Bewegungsspielraum ist, umso geringer ist die Gefahr einer Verletzung bzw. einer Überlastung der Strukturen. Hat ein Kunstturner z.B. eine eingeschränkte Beweglichkeit in seinen Handgelenken, kommt es zu Problemen sobald er einen Großteil seines Trainings im Handstand absolvieren muss. Er wird somit in eine Position hineingezwungen in der er keinen Zugang hat, was zur Folge hat, dass seine Handgelenke ständig überlastet sind und eine Verletzung resultiert.

 

Verletzung = Kapazität des Gewebes < die Belastung von außen

Prävention = Kapazität des Gewebes > sie Belastung von außen

 

Das individuelle Ziel von jedem einzelnen sollte sein, ständig an seiner Beweglichkeit zu arbeiten und zu verbessern. Das gilt für jeden Leistungssportler hin bis zur Hausfrau. Es geht darum, den individuellen Bewegungsspielraum ständig zu erhalten bzw. zu verbessern.

 

 

If you don`t use it you lose it!

 

Michael Sohm ist Diplom-Physiotherapeut und angehender Osteopath im Olympiazentrum Vorarlberg.

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