Sportkoordinatorin Lena Schwarz über die Zeit während des Corona-Lockdowns

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München/Dornbirn – ‘Lena, pack besser gleich deine Sachen und fahre nach München. Bevor du hier alleine in deiner Wohnung sitzt‘. Nach diesen Worten machte sich Lena Schwarz – Sportkoordinatorin des Nachwuchskompetenzzentrum Vorarlberg, auf den Weg in ihre Zweitheimat nach München. Der Aufenthalt dort dauerte dann länger als gedacht – nämlich sechs Wochen. Sechs Wochen in denen Lena sich ‘aus der Ferne’ komplett neu organisieren musste, was die Betreuung ihrer Athleten betrifft.

 

Ohne den täglichen, direkten Kontakt zu den o3-AthletInnen des Sportgymnasiums Dornbirn und den ArbeitskollegInnen (sowohl im Olympiazentrum als auch in der Schule) wurde die sonst so entspannte und zügige Kommunikation um einiges aufwändiger. Die zwei besten Kollegen waren von nun an der Laptop und das Handy. Umdenken war angesagt. Es war klar, dass nicht nur die AthletInnen sondern auch die TrainerInnen unterstützt werden müssen. ‘Wie soll ich die jungen Talente bei Laune halten, welche Möglichkeiten gibt es und wer braucht was?‘, fragte sich Lena und machte sich viele Gedanken zu Themen wie Trainingspläne, psychologische Tipps für diese herausfordernde Zeit, sportliche Herausforderungen gegen die Langeweile und Umarbeitung von Workshops ins Online-Format. 

 

Ein ganz zentraler Bereich der neu organisiert werden musste: Das Athletik-Training mit Lena im Kraftraum des Olympiazentrums, was für viele AthletInnen ein fixer Bestandteil der Wochenplanung ist. Die Lösung: Online-Training.

 

Mit etwas Mühe konnte sich Lena einen kleinen Platz in ihrer Münchner Wohnung frei schaufeln, auf die Nachbarn oben und unten konnte leider nur wenig Rücksicht genommen werden. Bereits in der zweiten Lockdown-Woche startete Lena mit einer täglichen Stunde Online-Training für ihre AthletInnen. Alles auf freiwilliger Basis und in Absprache mit den jeweiligen TrainerInnen. Ein buntes Programm mit verschiedenen Schwerpunkten bahnte sich so den Weg durch die Woche. Mal ging es mehr um den Oberkörper, mal war Mobility und Rumpf dran, auch Unterkörper/Beinachsenstabilität waren mit dabei und zwischendurch gab es eine knackige HIIT-Einheit.

 

Zeitlich und inhaltlich war Lena stets offen und teilte die Stunden flexibel ein – die Gymnastikmatte (aka Kraftraum) lag quasi in nächster Nähe zum Laptop (aka dem mobilen Büro). Mit dabei waren AthletInnen der Sportarten Badminton, Klettern, Karate, Schwimmen und hin und wieder verirrte sich auch mal ein Triathlet in die Video-Trainings-Konferenz. So kam immer eine Gruppe von zehn bis 22 Personen zusammen.

 

Zu Beginn war alles etwas gewöhnungsbedürftig, doch schnell hatte Lena die richtigen Handgriffe raus, für den perfekten Kippwinkel der Kamera, um stets im optimalen Blickfeld für die Sportler zu sein und gleichzeitig erklären und vorzeigen zu können. Man munkelt, dass in München der meiste Schweiß geflossen ist, da Lena ihren SportlerInnen nämlich nicht nur zuschaute und Tipps gab, sondern sie sich jeden Tag selbst dem Programm stellte. Dank der vielen Sprünge, die im Training eingebaut waren, profitierten auch die Nachbarn von den kostenlosen Live-Sessions. Auch an Lenas Zimmerlampe ging das ein oder andere Workout nicht spurlos vorüber.

 

Neben den altbekannten Übungen fanden auch neue Variationen und kreative Bewegungen mit den unterschiedlichsten Trainingsutensilien, die in jedem Haushalt aufzutreiben waren, ihre Daseinsberechtigung. Immer angepasst an die angegebenen Inhalte und das Level jedes Einzelnen – so konnten auch ein paar Sportler mit leichten Verletzungen mit von der Partie sein. 

 

Es ging nicht nur um das Training im sportlichen Sinne, sondern auch darum, in Gemeinschaft zu sein, andere Gesichter zu sehen und täglich eine Stunde gemeinsam mit ein wenig Spaß zusammen zu verbringen. Das haben in dieser Zeit viele Schüler als sehr wertvoll empfunden. 

 

Anfang Mai sehnten sich jedoch alle wieder nach etwas ‘normalem Trainingsalltag’. Mit viel Organisationsaufwand und der Unterstützung vom Olympiazentrum und der Schule, konnten dann ein paar kleine Schritte in diese Richtung gemacht  werden. Alle fieberten einem ersten Outdoor-Training auf der Birkenwiese entgegen. Unter Abstandseinhaltung, keinem Kontakt zu unnötigen Gegenständen und immer mit Desinfektionsmittel bewaffnet, durfte sich eine kleine Gruppe aus maximal zehn Personen auf dem Sportgelände ‘frei bewegen’. Trainiert wird seitdem in den sportartspezifischen Gruppen und zu den üblichen Trainingszeiten. Neben einem kunterbunten Programm aus Treppenläufen, Sprüngen, Hürdengymnastik, Koordinationsübungen, Mobilitäts- und Stabilitätstraining in allen Bereichen darf natürlich der Spaß im Training nicht fehlen – ganz egal ob bei Regen oder Sonnenschein.

 

Die letzten Monate waren auch für Lena eine große Herausforderung. Mit den Umständen und der Situation klarzukommen, neue Strukturen zu finden und diese anzunehmen. ‘Jedoch hat sich all die Mühe und Arbeit  gelohnt, wenn man zwischen den jungen Talenten stehen kann und in zielstrebige, wache Augen sehen darf‘, so Lena.

 

 

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