Sailing Team Lukas Mähr und David Bargehr im Interview

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‘Wir haben und werden eine stattliche Anzahl an Seemeilen und Straßenkilometern runterspulen, wollen beißen, kratzen und kämpfen. Das bei Welt- und Europameisterschaften, im Weltcup und Training, auf nahezu allen Kontinenten, in sämtlichen Lebenslagen und mit Rio als zentralem Nervensystem’. So lautet der Vorsatz, den Lukas und David mit Vollgas verfolgen. Uns haben die beiden über das Geschehen hinter den Kulissen eines Wettkampfes erzählt. Über die psychologischen und gesundheitlichen Herausforderungen, die Arbeit als Team und darüber, was der Begriff ‚Rio 2016‘ bei ihnen auslöst.

 

Diese Woche wurde die fünfte und letzte Regatta des ISAF Sailing World Cups 2013/14 im Mittelmeer vor Hyères/FRA gesegelt. Ihr zwei seit gerade auf Zwischenstop im Ländle – nächste Woche geht’s wieder weiter. Was stehen für wichtige Stationen an?

 

Lukas: Wir sind zur Zeit ein paar Tage zu Hause und der Fokus liegt auf der Regeneration nach einer sehr anstrengenden Woche. Wir hatten gerade das letzte Weltcup Rennen der Saison und fliegen nächste Woche wieder nach Santander/ESP – das WM Revier für 2014. Dort werden heuer 50% der Olympia Tickets bei der WM vergeben. Da im Segelsport die Revierkenntnisse sehr entscheidend sind, sind wir bis zur WM – die im September stattfindet – noch relativ oft in Santander.

 

Wie kann man sich eine Weltcup Woche bei euch vorstellen? Wie spielt sich eine Regatta ab?

 

David: Der Weltcup ist geteilt in drei Bereiche. Der erste ist die Qualifikation, dann kommen die Final Races und zum Schluss die Medal Races. Es werden jeden Tag zwei Wettfahrten gesegelt, die ca. 50 Minuten bis zu einer Stunde dauern – je nach Wind, der immer eine nicht beeinflussbare Komponente darstellt. Wir fahren eine Stunde vor dem Start raus, segeln uns ein, checken das Setup und schauen was der Wind mach, damit wir wissen auf welcher Seite wir segeln müssen. Zwischen den Wettfahrten haben wir 10-20 Minuten Pause um etwas zu Essen, zu Trinken und um Energie und Kraft zu sammeln. Dann geht es auch schon ins nächste Rennen. Wir sind am Tag ungefähr fünf bis sechs Stunden am Wasser. Für viel Anderes bleibt da keine Zeit mehr übrig.

 

Bei so langen Wettkampf Tagen bzw. Unsicherheiten wie dem Wind – welche psychologischen Aspekte sind für euch dabei die größte Herausforderung?

 

David: Das Warten ist eine sehr große psychologische Herausforderung. Wo kein Wind, da kann auch nicht gesegelt werden. Beim Weltcup in Palma hatten wir die Situation, dass wir bis 16:00 Uhr gewartet haben, obwohl der Start um 11:00 Uhr geplant war. Das war sehr schwierig – denn da kann man nicht einfach rumsitzen und nichts tun, sondern man muss den ganzen Tag aktiviert bleiben, da es jederzeit losgehen kann. Du stehst quasi ständig in den Startlöchern, darfst aber nicht raus.

 

Lukas: Wir haben da spezielle Aktivierungsprogramme für jede Phase vom Tag. Vom Aufstehen angefangen, über den Step vom Land zum Wasser bis hin zur Phase unmittelbar vor dem Wettkampf. In der richtigen Phase richtig aktiviert sein – darauf kommt es an.

 

Lukas, dir hätte deine Gesundheit kurz vor Hyères fast einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie schafft man es eine sportliche Hochleistung bei Windstärken bis zu 50 km/h aufs Wasser zu bringen?

 

Lukas: Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, dass da etwas Grippe-ähnliches im Kommen ist. Entscheidend war, dass ich zu dem Zeitpunkt sofort zu Dr. Marc Sohm gehen konnte. Ist ja nicht üblich, dass man wirklich sofort einen Termin bekommt. Er sah an meinem Blutbild, dass es einen erhöhten Entzündungswert gibt und wir haben gleich einen Schlachtplan entwickelt der einerseits eine Behandlung nach allgemeiner, westlicher Medizin und andererseits Akupunktur- und Kräutertherapie aus der Traditionellen Chinesischen Medizin beinhaltete. Darauf hat mein Körper sehr gut reagiert. Für uns ist das enorm Wichtig, auf solch professionelle Hilfe zurückgreifen zu können. Egal ob Masseur, Physiotherapeut oder Arzt – als Sportler kann man hier im Sportservice wirklich auf tolle Leute zurückgreifen. Man merkt ja recht schnell ob einem die Person liegt, ob der- oder diejenige einen gut einschätzen kann und ob das für einen selbst die richtige Methode ist behandelt zu werden. In diesem Fall hat das super geklappt und die Methode hat sehr gut gewirkt.  Es war für mich eine neue Erfahrung – die Therapie nach TCM habe ich noch nicht gekannt. Aber das hat uns gezeigt, dass wir hier auch für die Zukunft einen tollen Rückhalt haben.

 

Im Gespräch mit euch merkt man, dass ihr perfekt aufeinander abgestimmt seid. Ihr seid zu zweit im Team, zu zweit im Boot, ihr verbringt jede Menge Zeit miteinander. Gibt es auch Zeiten in denen ihr euch nicht sehen wollt?

 

David: Ja natürlich :-). Dass wir uns gut verstehen ist eine Grundvoraussetzung wenn man so viel Zeit miteinander verbringt. Aber man ist dann natürlich froh, wenn man abschalten kann, Zeit mit anderen verbringen kann und den anderen nicht um sich hat. Wir setzen uns auch ganz bewusst Grenzen – jetzt ist Zeit für mich selbst und jetzt ist Zeit für die Arbeit.

 

Lukas: Aber auch wenn wir uns ein paar Tage nicht sehen telefonieren wir regelmäßig miteinander. Wir sind 24 Stunden Sportler. Wir arbeiten also auch zusammen wenn wir nicht am gleichen Ort sind. Es gibt immer was zu tun – wobei auch eine Aufgabenaufteilung entscheidend ist. David koordiniert Sachen bei denen ich nicht dabei sein muss und umgekehrt.

 

Rio 2016 – was ist euer erster Gedanke wenn ihr das hört?

 

Beide: Bargehr/Mähr vorne dabei!

 

Lukas: Unser großes Ziel ist es nicht nur dabei zu sein, sondern auch eine Medaille zu holen. Von den internationalen Kriterien her wären wir für London ja schon qualifiziert gewesen. Österreich ist aber nun mal eine Seglernation mit einer sehr starken Konkurrenz. Diese Konkurrenz sehen wir jedoch als riesen Chance um durch dieses hohe nationale Niveau immer besser zu werden. Wir sind seit acht Jahren ein Team und arbeiten jeden Tag so professionell wie möglich – da hast du nicht nur die Teilnahme als Ziel.

 

 

© Fotos: Dominic Marsano

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