Planung, Umfang und Logistik einer Olympischen Mission

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Gestern Abend fand eine spannende Veranstaltung für eine kleine Auswahl an Gästen im Olympiazentrum Vorarlberg statt. ‚Planung, Umfang und Logistik einer Olympischen Mission für das Österreichische Olympische Comité‘ – so lautete der Vortrag, bei dem Dr. Peter Mennel – Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comités Einblicke gab, welch ein enormer Aufwand die Olympischen Spiele in Rio für das ÖOC bedeuteten.

 

Die Gäste – Partner aus unserem Ärztenetzwerk (darunter Dr. Herbert Vonbank, Dr. Dieter Moosmann, Dr. Ramin Bayat, Dr. Ali Sensoy, Dr. Rudolf Rüscher, Dr. Michael Fink) und unsere Physiotherapie-Partner (darunter Klaus Isele, Roland Huffnagel, Christian Jopp-Wäger und Daniel Skalsky). Im zweiten Teil des Vortrags wurde nämlich die medizinische Versorgung der Olympischen-Mannschaft unter die Lupe genommen. Dr. Marc Sohm, Leiter unseres Sportmedizinischen Instituts, war im Medical Team der österreichischen Delegation in Rio und präsentierte die ‚Medical Olympic Mission, Rio 2016‘.

 

 

Oberstes Ziel – optimale Rahmenbedingungen für das Olympic Team Austria.

‚Unsere Olympische Mission ist es, optimale Rahmenbedingungen und ideale Voraussetzungen für das Olympic Team Austria zu schaffen – trotz des sehr herausfordernden olympischen Umfelds‘, erklärte Dr. Mennel und stellte einige Maßnahmen vor, die diesbezüglich vom ÖOC geplant und durchgeführt wurden.

 

Allein die Marketing-Maßnahmen im Vorfeld erforderten bereits enormen Aufwand. Es wurde in den letzten Jahren eine nationale Partnerstruktur aufgebaut – mit  19 Partnern, 13 Ausstattern und zusätzlich 11 IOC Partnern. Der Wert der Ausstattung eines Athleten in Rio beträgt in etwa 3.900€. Zahlreiche Veranstaltungen wurden im Vorfeld medienwirksam durchgeführt – wie etwa die Kollektionspräsentation, die Nominierungs-PK oder die Einkleidung. Weiters wurden eigene Publikationen geschaffen – ein Olympia Report, Olympia Guide und viele Social Media Aktivitäten mit enormen Reichweiten im Onlinebereich.

 

Ein wesentlicher Schritt war auch die Weiterentwicklung der Koordinierung des Netzwerkes der Olympiazentren wurde und die Finanzierung von Olympia-Projekten.

 

Die Sportmedizinischen Rahmenbedingungen wurden ausgebaut; ein Netzwerk der medizinischen Leiter der Olympiazentren wurde geschaffen, die Olympia-Mannschaft hatte verstärke sportmedizinische Untersuchungen und auch die sportpsychologischen Rahmenbedingungen wurden weiterentwickelt (Partnerschaft zwischen Österreichischen Olympischen Comité, den Olympiazentren und dem Österreichischen Bundesnetzwerk für Sportpsychologie).

 

Diese und viele weitere Projekte wie etwa die Trainervorbereitung als ‚Olympic Coach‘, die verstärkte Medienbetreuung, das Fördermanagement, das Crowdfunding-Projekt ‚I Believe in you‘ und vieles mehr wurden im Vorfeld konzipiert, geplant und umgesetzt.

 

 

Die Organisation und Logistik einer Olympischen Mission

Während die Olympischen Sommerspiele bereits langsam wieder aus dem Köpfen der Zuschauer verschwinden, steht für das Team des Österreichischen Olympischen Comités und der Olympiazentren in Österreich schon längst wieder eine neue Mission auf dem Plan: die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang 2018.

 

‚Die gesamte Planung, Vorbereitung und Organisation der Teilnahme einer österreichischen Delegation an einer olympischen Veranstaltung beginnt seitens des Österreichischen Olympischen Comités rund 2 Jahre vor der Beschickung‘, betont Dr. Mennel und fügt hinzu: ‚Eine der Herausforderungen besteht in der frühen Fixierung der Buchung der Unterkünfte und Flüge ohne genaue Kenntnis der Mannschaftsgröße, dem Transport von Sportgeräten und Übergepäck inklusive Abwicklung sämtlicher Zollformalitäten‘.

 

Um nur einige Tätigkeiten zu nennen, die bereits über ein Jahr im Vorfeld von Olympischen Spielen durchgeführt werden müssen: Es werden Erhebungen der Anforderungen der Verbände,  Athleten und Trainern gemacht, die Auswahl des ‚Olympic Team Austria‘ wird getroffen (Definition von Qualifikations- und nationalen Selektionskriterien gemeinsam mit nationalen Verbänden), der Akkreditierungsprozess wird bereits in die Wege geleitet, zahlreiche Reisen zu den Veranstaltungsorten sind zu absolvieren, die Auswahl der Quartiere wird getroffen, das Konzept des Austria House wird geschaffen, Meetings mit Vertretern von Botschaften, Konsulaten und Wirtschaftskammern stehen an, Jobs für externe Mitarbeiter werden ausgeschrieben, Interviews geführt, die Zusammenstellung des Medical Teams erfolgt, die Zusammenarbeit mit der NADA wird intensiviert, die Erstellung von Informationsmaterial erfolgt.

 

Einige logistische Zahlen zu Rio 2016:

  • 7 Container mit Material und Lebensmittel (100 Tonnen) hauptsächlich für das Austria-House aber auch 5 Kisten mit technischem Büromaterial für das Olympische Dorf wurden auf die Reise nach Rio geschickt
  • 14 Kisten (23 Kg pro Einheit) mit 200 verschiedenen Medikamenten, Verbandsmaterial und Geräten waren an Board
  • 300 Moskitonetze und Anti-Moskito-Mittel waren aufgrund der Zika-Warnung mit im Gepäck
  • 9000 Artikel der Team-Ausstattung von 10 Partnerfirmen wurde im Vorfeld an Athleten ausgegeben
  • 10 Kisten extra Team-Kleidung gingen auf die Reise

 

 

Vor Ort in Rio – ‚Trouble Shooting‘ zählt zur Hauptaufgabe

In Rio angekommen, stand die umfassende Betreuung der Athleten und Betreuern im Mittelpunkt.  Unterkünfte wurden adaptiert, der Zukauf von nötigem Inventar erfolgte und das Olympische Dorf wurde ausgestattet (mit Bürogeräten und der IT-Infrastruktur). Die Organisation des Transports erfolgte, die Organisation der Teilnahme an Eröffnungs- und Schlussfeier und die Abwicklung des Ticketings ging über die Bühne.

 

Außerdem erfolgte ein 24-Stunden-Informationsservice aller Mannschaftsmitglieder über aktuelle Tagesereignisse, die Abwicklung der laufenden An- und Abreisen und die Teilnahme an den regelmäßig stattfindenden Chef de Mission Meetings (Informationsweitergabe an Delegationsmitglieder). Weiters wurde die Koordination medizinischer, physiotherapeutischer und psychologischer Betreuung während der Spiele abgewickelt.

 

 

Dr. Marc Sohm als Mitglied des  Medical Teams in Rio 2016

Der Leiter unseres Sportmedizinischen Instituts war einer der vier Ärzte die für das Olympic Team Austria im Olympischen Dorf und an den Wettkampfstätten zuständig war.

‚Im medizinischen Bereich gab es natürlich bereits im Vorfeld einen enormen Arbeitsaufwand. Es gab zahlreiche Abstimmungen mit Ärzten, Physiotherapeuten und Masseuren der Fachverbände. Die Zusammenarbeit mit NADA und internationalen olympischen medizinischen Einrichtungen lief auf Hochtouren und unser Betreuerstab wurde ausgewählt‘, erklärt Dr. Marc Sohm und fügt hinzu: ‚Das ganze Bedarfsmaterial wurde bereits in Österreich besorgt und die nötigen Registrierungen und Transportformalitäten abgewickelt‘.

 

Athleten sind bei einer Olympia-Teilnahme zu einigen medizinischen Untersuchungen verpflichtet. Außerdem wurden ihnen zahlreiche Informationen zu den Themen Antidoping, Hygiene im Wettkampfland, Jetlag, Ernährung und Trinkwasser und dem Zika-Virus bereitgestellt.

 

 

Die medizinische Infrastruktur vor Ort

Marc Sohm gab des Weiteren spannende Einblicke über die Abläufe vor Ort. So schilderte er, wie die Einteilung des Medical Teams (welches neben den vier Ärzten aus 13 Physiotherapeuten und Masseuren, 3 Sportpsychologen und einem Mentaltrainer bestand) erfolgte, sodass die Betreuung der Athleten an den verschiedenen Wettkampfstätten, dem Olympischen Dorf und der Polyklinik im Dorf gewährleistet war.

 

Weiters gab er den anwesenden Ärzten Informationen über die medizinischen Therapiegeräte (Elektrotherapie, Ultraschall, Eiskompressionstherapie, Laser- und Tiefenwärmetherapie), mit denen das Team vor Ort ausgestattet war.

 

 

 

 

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