ÖOC-Initiative Sport für Integration

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Rund 90.000 Menschen haben alleine im letzten Jahr in Österreich um Asyl angesucht. Geflohen vor Krieg, Terror, Gewalt und vor einem Leben ohne Perspektiven, warten sie nun ob ihr Antrag genehmigt wird.

 

„Wir haben Verantwortung für Menschen, die bei uns Schutz suchen. Das bedingt auch, Voraussetzungen für eine schnelle Integration zu schaffen“, meint Dr. Christian Konrad, Flüchtlingsbeauftragter der Bundesregierung.

 

„Der Sport ist hier – von Schule und Job einmal abgesehen – das beste Hilfsmittel, die Integration voranzutreiben.“

 

Die Praxis der letzten Monate hat gezeigt, dass es Behörden und Hilfsorganisationen größtenteils an Ressourcen fehlt, um Flüchtlingen die Sportausübung zu ermöglichen.

 

Das Österreichische Olympische Comité und fünf Olympiazentren schaffen seit Jahresbeginn Abhilfe. Im April sind die ersten konkreten Projekte angelaufen.

 

ÖOC-Präsident Dr. Karl Stoss: „Anfang Oktober hat das Internationale Olympische Komitee einen Flüchtlings-Hilfsfonds – mit einer Gesamtdotation von 2 Millionen US-Dollar – ausgeschrieben. Wir zählten zu den ersten, die ein konkretes Projekt abgegeben haben.“

 

Die Zusage aus Lausanne kam postwendend, dazu ein Betrag von 150.000 Dollar (131.015 €). Stellte sich für uns die Frage: Wie muss eine effiziente Umsetzung aussehen?

 

An fünf Standorten (Dornbirn, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Salzburg-Rif) wurden alle Sportangebote der Region sondiert, Kontakte zu den Sportvereinen hergestellt und erste Pilotprojekte initiiert.

 

„Wir wollen, dass durch Sport langsam Normalität in das Leben der Asylbewerber, der anerkannten Flüchtlinge einkehrt. Das gelingt nur, wenn du entsprechende Strukturen aufbaust. In praktikablen Schritten, ohne die Flüchtlinge, aber auch die Einheimischen zu überfordern“, stellt der ÖOC-Präsident klar.

 

Das Gros der Personen, die von der ÖOC-Initiative profitieren, sind zum derzeitigen Zeitpunkt Asylbewerber, erst in zweiter Linie anerkannte Flüchtlinge.

 

Die Palette des Angebots reicht vom Breiten- bis hin zum Leistungssport. „Bis jetzt gab es sehr viele Einzelaktionen, aber keine Koordination untereinander. Aber nur so erreicht man auch wirklich alle Betroffenen“, weiß OÖ-Landessportdirektor Mag. Gerhard Rumetshofer.

 

Zwei Beispiele aus der Praxis:

Javid Sedighi, 40, aus Afghanistan, ist derzeit mit seiner Frau und zwei Kindern in Schenkenfelden/OÖ untergebracht. Er lief in der „Refugee“-Staffel beim Linz-Marathon mit. „Für mich war das ein ganz besonderer Tag. An eine Lauf-Veranstaltung wäre in meiner Heimat natürlich nicht zu denken, schon gar nicht, dass Syrer, Iraker und Afghanen gemeinsam in einem Team starten.“

 

Mohammad Mehdi Rezai, Rufname „Mahdi“, 17, aus Afghanistan: Er kam mit dem Schiff nach Europa. „Es war schrecklich!“ Jetzt hat er sich für den Schwimmkurs in Salzburg-Rif angemeldet. Die ersten zwei Kursabende hat er bereits hinter sich. „Ich möchte schnell Schwimmen lernen, damit ich meine Angst vor dem Wasser verliere.“ Größter Wunsch: ein (Schul-) Platz in einem Gymnasium in Salzburg.

Mag. Monika Stadelmann (Olympiazentrum Salzburg-Rif): „Die Flüchtlinge sollen unkompliziert und rasch Schwimmen lernen, damit sie sich in heimischen Gewässern gefahrlos bewegen können. Als Jugendlicher wird man bei uns im Sommer sonst sehr schnell ausgegrenzt.“

 

Die nachfolgenden Projekte/Aktionen sind in den fünf Olympiazentren bereits angelaufen:

 

OZ Dornbirn: In den Betreuungseinrichtungen wurde eine Umfrage gestartet, welche Sportarten die Flüchtlinge ausüben wollen. Es gab knapp 200 Rückmeldungen. Besonders hoch im Kurs sind Sportarten wie Boxen, Fußball, Kickboxen, Schwimmen, Turnen und Volleyball. Für jugendliche (unbegleitete) Flüchtlinge werden kostenlose Schnupper-Trainings organisiert. Wer dauerhaft in einer Sportart trainieren will, kann dies gratis tun – muss dafür aber (eine vom Verein definierte soziale Tätigkeit erbringen). Am 23. Juni wird (am Olympic Day) ein Sporttag organisiert.

OZ Innsbruck: Bereits bestehende Projekte wie Lauftreffs und Fußballtraining werden verstärkt genutzt. Zwei Schwimmkurse für ca. 25 Asylbewerber werden angeboten (in Kooperation mit dem Sportministerium und der Sportunion), 15 minderjährige Asylwerber nehmen am Uni-Turnen bzw. an einem Judo-Kurs teil.

OZ Klagenfurt: Ein Teil des USI-Kurs-Angebots soll ab Herbst auch den Flüchtlingen angeboten werden, Schwimmkurse starten im Mai, ein Fußball-Turnier soll im Juli stattfinden. Im Planungsstadium: Schwimmkurse in wilden Gewässern (in Kooperation mit der Wasserrettung).

OZ Linz: Olympia-Medaillengewinnerin Theresia Kiesl fungiert als Koordinatorin, erste konkrete Aktionen: 2 Refugee-Staffeln mit Asylwerbern nahmen am Linz-Marathon Anfang April teil, am 9. und 10. Juni findet die sogenannte Kindergarten-Olympiade  statt (insgesamt 2.000 Kinder – inkl. Asylwerber im passenden Alter), Open Day für rund 120 Asylwerber/Flüchtlinge am 23. Juni.

OZ Salzburg-Rif: Die ersten Schwimmkurse haben begonnen, in Planung ist das Projekt „Sport vor Ort“: Uni-Studenten und Praktikanten animieren Flüchtlinge in ihrer jeweiligen Umgebung zum Sport. Ein interkulturelles Sportfest soll im Sommer in Szene gehen.

 

© Fotos: GEPA pictures/ ÖOC

 

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