Trainingsmonitoring und -steuerung in Zeiten von Corona

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Nicht erst seit dem „Lock-down“ vor knapp vier Wochen gewinnen Trainingsmonitoring und -steuerung aus der Ferne immer mehr an Bedeutung im Spitzensport – lediglich die Herangehensweisen und Anwendungen haben sich dahingehend etwas geändert.

 

Die Trainingsüberwachung und Führung eines Spitzensportlers ist in der Regel durch den Trainer vor Ort gewährleistet. Hierbei ist es möglich, Bewegungen zu kontrollieren, die mentale Verfassung einzuschätzen, spontane inhaltliche Anpassungen vorzunehmen, Sparring zu gewährleisten und direktes Feedback vom Athleten zu erhalten. Was läuft gut? Was fühlst Du? Was müssen wir ändern? Mit diesem „Echolot-Mechanismus“ wird verhindert, dass der Athlet in ein „reines Abarbeiten“ des Trainings fällt. So ist er in der Lage, sich aktiv am Training zu beteiligen bzw. sich ebenfalls Gedanken über die Herangehensweise zu machen.

 

In der aktuellen Situation machen Spitzensportler keinen Urlaub und ruhen sich aus. Der Trainingsprozess im Spitzensport ist bedeutsam und sensibel zugleich und muss permanent am Laufen gehalten werden. So stehen Spitzensportler ebenso wie Ihre Trainer vor einer neuen Herausforderung, unter „anderen Umständen“ zu trainieren und zu planen. Das tägliche „in die Augenschauen“ oder ein einfaches Abfragen der Gemütslage beim Athleten kann aktuell nur via Videochat oder Telefonat vollzogen werden, wobei immer eine räumliche Distanz herrscht. Tools zur Erfassung des täglichen Wohlbefindens, des Schlafverhaltens, der Motivation und der Selbsteinschätzung können Trainer nun maßgeblich dabei unterstützen, subjektive Informationen vom Athleten zu bekommen. Trainingsinhalte werden über eine Onlineplattform hochgeladen. Der Athlet bewertet die Einheit nach dem Training anhand seines subjektiven Belastungsempfindens mittels sRPE-Skala und Dauer der Einheit. Auch objektive Parameter wie Herzfrequenzen, Distanzen oder Leistungen können erfasst werden. Es ist das systematische Sammeln von Daten, das die körperliche und mentale Konstitution, die Trainingsinhalte, -intensitäten und -umfänge erfasst und beschreibt, auswertet und Rückschlüsse über die Gesamtbelastung des Athleten zulässt. Das Trainingsmonitoring stellt somit einen elementaren Teil der Trainingssteuerung dar:

 

Regelkreis der Trainingssteuerung (vgl. Hohmann/ Lames/ Letzelter 2002, S. 159)

 

Gambetta (2009) konnte zeigen, dass bereits einfache Methoden der Überwachung der Trainingscharakteristik dem Athleten erlauben, seine Trainingsziele zu erreichen, während unerwünschte Trainingseffekte minimiert werden können. Trainingsmonitoring kann den Trainer aber nicht nur vor Übertrainingssymptomen warnen, es kann auch die Trainings- und Feedbackeffizenz erhöhen. Je engmaschiger, konsistenter und vor allem konsequenter Trainingsmonitoring eingesetzt wird, desto relevanter werden die Informationen sein, die daraus resultieren. Es ist mehr als nur ein Anhäufen von Informationen – es sind Informationen, die genutzt werden müssen (Gambetta, 2009). Welche Methode auch immer eingesetzt wird, sie muss beständig bleiben und bestenfalls ständig optimiert und erweitert werden. Die Daten und das Feedback erlauben dem Trainer, die Planung und das Erreichte miteinander abzugleichen. Dies ist sehr spezifisch auf den Athleten, sein Alter, Geschlecht und sein Leistungsniveau ausgerichtet.

 

Um in Zeiten eines physischen Kontaktverbots zwischen Trainer und Athlet die geltenden Ziele des Trainings, Langzeitadaptionen kumulativer Trainingseffekte zu erreichen, bedarf es einer großen Verantwortung und Compliance beider Seiten. Trainer und Athlet sind gleichermaßen stark in diesen Kreislauf eingebunden. Ohne regelmäßigen Austausch zwischen Beiden ist der Trainingsprozess eine einseitige Angelegenheit ohne erfolgsversprechende Perspektive für die Zukunft eines Spitzensportlers. Der Athlet muss sich noch genauer auf seine Subjektivität verlassen, ein hohes Maß an Eigenständigkeit an den Tag legen und ständig die Trainer-Athlet-Feedbackschleife bedienen. Jeden Trainingseffekt und die dazugehörigen Informationen zu monitoren, die Kontrolle des Trainingsprozesses aufrecht zu erhalten und eine adaptive Antwort zu gewährleisten, obliegt in enger Rücksprache dem Trainer. Die Rolle der Bezugsperson „Trainer“ wird in solch einer Situation noch viel mehr zu der des „Coaches“! Und es zeigt, ob Trainer nicht nur Trainer, sondern auch Coaches sind. Gerade bei jüngeren Athleten nimmt die Beratung noch eine zentralere Rolle ein. Bei schon reiferen und fortgeschritteneren Sportlern, wird mehr zusammen „am Athlet“ und seinen gemeinsamen Zielvorstellungen gearbeitet, um ihn zur bestmöglichsten individuellen Leistungsentfaltung zu führen.

 

Philipp Konnerth ist Sportwissenschafter und Trainer im Olympiazentrum Vorarlberg.

 

Quellenangeben:

Gambetta, V. (2009, Januar 09). Monitoring training is critical for success. (Human Kinetics. The Information Leader In Physical Activity & Health).

Hohmann. A., Lames., M., Letzelter. M. (2002). Einführung in die Trainingswissenschaft. Wiebelsheim: Limpert

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