Fasten. Funktioniert das?

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Was einst ein religiöser Brauch war, scheint längst zum Life-Style-Trend geworden zu sein: Das Fasten oder mittlerweile Detox (Entgiften, Anm.) genannt. Während die einen Fasten als Bestandteil einer gelingenden Lebensführung betrachten, stehen für Detoxer das Arbeiten an der Bikinifigur im Vordergrund. Eines haben die Anhänger aber wohl gemeinsam. Die Menschen versprechen sich durch die Phase des leiblichen Verzichts, ihre Fehler und Versäumnisse wettzumachen. Leider funktioniert das nich.

 

Doch was bedeutet Fasten oder Detox eigentlich genau, was geschieht dabei im Körper und worauf sollte geachtet werden? Bei einer sogenannten Entgiftungskur wird für eine gewisse Zeit auf verschiedene Produkte verzichten. Die Konzepte sind unterschiedlich. So kann etwa nur ein Nahrungsmittel weggelassen werden oder es stehen ausschließlich Saft, Smoothies, Tee oder Suppen auf dem Ernährungsplan. Ziel ist grundsätzlich den Körper von Giften zu befreien und damit zu reinigen. Leber und Nieren sollen gestärkt werden.

 

Der Körper ist auf die Energiezufuhr durch Nahrung angewiesen, diese wird jedoch beim Fasten plötzlich um mehr als die Hälfte reduziert. Also muss sich der Organismus anders behelfen. Nach zwei Fasttagen schaltet der Körper auf „Spar-Energie“ um. Diese Phase ist von gewissen Nebenwirkungen begleitet. Körper- und Mundgeruch werden stärker. Urin beginnt penetrant zu riechen. In Hungerzeiten wird Energie aus sogenannten Ketonkörpern gewonnen. Diese entstehen bei katabolen (sprich abbauenden) Prozessen im Körper. Wenn also 48 Stunden auf Nahrungsenergie verzichtet wird, kann sich der Körper theoretisch Energie aus der Umwandlung von Fettreserven holen. Zuerst wird aber die Muskulatur angegriffen. Denn „Proteinabbau ist leichter als Fettabbau“. Erst wenn die Muskulatur geplündert ist, geht es an die Fettreserven. Schade um die hart erkämpften Muskeln.

 

Fasten sowie Detoxen sollten also nicht mit einer Diät verwechselt werden. Der Nahrungsverzicht reduziert zwar das Gewicht, aber nicht dauerhaft. Es gehen wie erwähnt lediglich Muskulatur, Wasser und eventuell ein wenig Fett verloren. Schlank macht das Fasten nicht, da die straffe volumenarme Muskulatur verschwindet, aber nicht das massige volumenreiche Fett. Der Grundumsatz des Körpers sinkt durch den Muskelverlust. Der Organismus braucht also weniger Nahrung. Sobald die fastende Person also wieder mehr isst, wird diese Nahrung umgehend zu neuem Fett umgewandelt.

Eine Diät ist eine zeitlich begrenzte Umstellung oder der Versuch etwas zu ändern. Das Fasten würde zwar in diese Definition passen, dennoch kommt man auf diesem Weg nicht zum Ziel. Für eine Gewichtsreduktion ist also eher eine dauerhafte Umstellung nötig, anstatt sich durch kurzfristige Änderung oder Verzicht etwas zu erhoffen.

 

Bei einer Darmentlastung hingegen können laut Wildauer gewisse Kuren helfen. Wobei im Rahmen dessen lediglich ein Nahrungsmittel gegessen wird. Dabei können schon zwei Tage einen Effekt haben. Manche Personen halten die Nahrungseinschränkung auch über eine Woche aus. Grundsätzlich gilt: Je nach dem, was vom Fasten erwartet wird, sollte die Art und Dauer darauf abgestimmt sein. Fest steht auch, dass der Verzicht unter „Laborbedingungen“ (Urlaub, Kurhotel, Kloster) einfacher funktioniert als im gewohnten Alltag. Denn der Kopf ist ein wichtiger Faktor. Wer sich eine Fastenkur auferlegt, braucht eine gesunde physische Basis und Willensstärke. Voraussetzung für erfolgreiches Fasten ist eine stabile Verfassung. In Zeiten eines Jobwechsels, Trennung oder anderen Stresssituationen sollte keine Fastenkur geplant werden.

 

Im Umkehrschluss kann der Verzicht auf feste Nahrungsmittel aber auch den Alltag beeinflussen. Schließlich wird der Körper strapaziert und zeigt dann dementsprechende Symptome. Es können Kopfschmerzen, Müdigkeit, Frösteln und Konzentrationsschwankungen auftreten, wodurch die Leistungsfähigkeit beim Sport und im Beruf beeinträchtigt werden können.

Sport lässt sich übrigens generell nur schwer mit dem Fasten vereinbaren – ist aber erlaubt und würde zumindest den Muskelabbau verhindern. Dennoch braucht der Körper Energie um Muskeln zu bewegen. Die physische Anstrengung dürfte also ab dem zweiten Fastentag schwierig werden. Und das passt am Ende nicht zusammen. Sport in der Fastenzeit kann sogar gefährlich sein, wenn etwa der Herzmuskel ‚angeknabbert‘ wird.

 

Aber was sind nun die positiven Effekte einer Fastenkur? Grundsätzlich kann sich eine Verzichts-Phase positiv auf die Psyche auswirken, meint Wildauer. Das Erreichen eines Zieles ist generell beflügelnd und im Körper werden Glückshormone ausgeschüttet. Und so verhält es sich auch beim Einhalten von Fastenregeln. Von Fastenden wird oft ein Gefühl der Leichtigkeit, Energie und Glück beschrieben, leider kann sich das Nichteinhalten genauso massiv auswirken und erst psychische und dann auch körperliche negative Folgen haben.

 

Auch zum Fastenbrechen gehören übrigens gewisse Regeln, um den Körper nicht noch mehr zu belasten. Um langsam wieder zur normalen Kost zu finden, sollte die ersten Tage mit Schonkost gestartete werden. Damit Darm und Körper nach und nach wieder an feste Nahrung gewöhnt werden.

Außerdem sollten Schwangere, stillende Frauen, Bluter, Kinder, Menschen mit gewissen Erkrankungen und Hochbetagte generell auf eine derartige Kur verzichten. Auch wer feststellt, dass ihm der Nahrungsverzicht nicht gut tut, sollte sofort abbrechen. Oder am besten erst gar nicht anfangen.

 

Aus wissenschaftlicher Sicht ist ein Entgiften durch Nahrungsverzicht nicht möglich und auch nicht nötig. Der Körper schafft es laut Expertin nämlich normalerweise sehr gut mit seiner Hauptaufgabe – der Verdauung – klar zu kommen. Grundsätzlich ist nach Meinung der Fachfrau also besser, das Fasten oder Detox als Abstinenz anzusehen und auf Genuss- oder Nahrungsmittel wie Alkohol, Nikotin, schlechte Fette und Zucker zu verzichten. So kommt erst gar kein Gift in den Körper und eine Fastenzeit ist überflüssig. Eine Woche Verzicht, mache sowieso kein monatelanges Fehlverhalten wett.

 

Verfasser:

Eva Wildauer, Ernährungswissenschafterin im Olympiazentrum Vorarlberg

 

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